Rhetorik im Beruf und privat
Nov 30th, 2005 | By Meisterredner | Category: Reden lernen, Stegreifrede, VerschiedenesBrigitte moderiert die Stegreifreden. Als Leitmotiv für die Stegreifreden hat sie das Glück ausgewählt. Sie stimmt die Gäste und Mitglieder mit einem Rundblick auf das Glück ein. Schließlich leitet sie zum ersten Redner über: Jeder weiß jetzt, daß sie nun irgendeine Person auswählen wird, um sie spontan zu einer zweiminütigen Rede zu bitten. Worüber soll diese Person sprechen, und wer wird es sein? Die Augen aller Teilnehmer wandern im Saal umher. Sie meiden den Blickkontakt mit Brigitte. Manch einer wird denken, hoffentlich sieht Brigitte mich nicht. Brigitte spricht Maria an: „Was hältst Du davon, dass die Arbeit ein Quell des Glücks ist?“ Maria erhebt sich und nach einer kurzer Pause hat sie sich gefaßt: „Heute morgen habe ich meinen neuen Arbeitsplatz erstmals aufgesucht. Ich bin versetzt worden und war sehr gespannt, wie ich aufgenommen werde. Aber alle Sorge war Gott sei Dank vergeblich. Auf meinem Schreibtisch lag ein Berg vergessener Arbeit. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was es für ein Freude ist, sich durch Unbekanntes zu wühlen und dabei gleich mit der gesamten Abteilung bekannt zu werden ….“ Gelächter im Saal. Und Maria hebt an, humorvoll über die Hürden des neuen Arbeitsplatzes und ihren Weg aus der Anspannung zu reden.

Wer hat nicht schon unvermittelt und unvorbereitet vor erwartungsvollen Zuhörern gestanden? Wem flirrt nicht das Herz bei dem Gedanken, vor einer Gruppe von Menschen zu stehen, die er schnell, packend und vielleicht auch noch amüsant informieren soll? Ähs gehen fortlaufen über die Lippen und in diesen unschönen Pausen suchen unsere Gedanken hektisch nach dem Fortgang der Rede. Ob Geschäftsführer, Politiker oder Brautvater – schnell ist eine Chance vergeben mit Charme zu informieren, das Publikum zu gewinnen und einen guten Eindruck zu hinterlassen.
Seinen Interessen eine Stimme zu geben, gehört heute nicht nur zum Handwerkszeug im Beruf. Auch beim Elternabend in der Grundschule werden beispielsweise Meinungen und Wünsche nur dann gehört, wenn sie verständlich und überzeugend vorgetragen werden.
Seit Januar dieses Jahres treffen sich zwei Mal im Monat die Meisterrednern in den Räumen der Trinitatis-Gemeinde in der Leibnizstraße 79. Die Meisterredner gehören zum Verband der Toastmasters Inernational. Diese Gruppe, die schon seit mehr als 70 Jahren besteht, trainiert das Reden in der Öffentlichkeit in kleinem, vertrauten Kreis und zu niedrigstmöglichen Kosten. In einem Klub treffen sich ca. 25 Mitglieder, um nach einem bewährten Ausbildungsprogramm das Reden in unterschiedlichen Situationen zu üben. Im Mittelpunkt steht das Halten einer Rede von ca. 5 Minuten. Jeder Redner bereitet sich nach einem fest vorgegebenen Redeplan vor. Das Thema ist frei und die Klubabende sind entsprechend unterhaltsam. In einer anschließenden Bewertungsrede bekommt jeder Redner eine konstruktive Rückmeldung zu der Wirkung seiner Rede. So verbessert man sich fortlaufend. Gäste sind jederzeit herzlich willkommen.
Wer hier mitmacht weiß, dass er beim nächsten Mikrofon, welches ihm in der Fußgängerzone entgegen gehalten wird, nicht zur Salzsäule erstarren muss. Er wird vorbereitet sein, sich in einem solchen Moment zu sammeln, auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich verständlich zu äußern. Denn die Übung bei den sogenannten Stegreifreden im Club macht auch hier den Meister.





















