Weshalb halten wir Reden und üben uns in Rhetorik?

Nov 19th, 2008 | By Juergen Hall | Category: Warum reden?

Rhetorik ist für viele etwas Exotisches, ein Stück Land auf einem fremden Kontinent. Wo liegt es überhaupt, und wie sehen seine Grenzen aus? Exotisch, das heißt auch: rätselhaft, undurchschaubar, interessant, aber irgendwie…. gefährlich. Lieber die Finger davon lassen.  Ich behaupte: Unsere tägliche Kommunikationspraxis wird bestimmt durch rhetorisches Handeln.

Ständig sind wir bewusst geplanten Beeinflussungsversuchen ausgesetzt, wehren uns dagegen mit rhetorischen Mitteln, unternehmen selbst entsprechende Versuche, unsere Interessen- möglichst reibungslos versteht sich - durchzusetzen.  Wir können uns diesen Prozessen nicht entziehen. Damit können wir uns auch der Rhetorik nicht entziehen.

Wer mit Rhetorik nichts zu tun haben will, begibt sich oder ergibt sich bewusst in die Rolle des Ohnmächtigen, des Befehlsempfängers und ist den rhetorischen Möglichkeiten des anderen ausgeliefert. Wer nicht will, dass der Einzelne mit Hilfe von Sprache für seine Bedürfnisse, Einsichten und Rechte streiten kann, der will auch letztlich keine Demokratie.

Deshalb tut Rhetorik not.

Jürgen Hall - Präsident der Berliner Meisterredner 2008 / 2009

Text in Anlehnung an Arbeitsunterlagen für den Sprach- und Literaturunterricht, Autor: Klaus Pawlowski, Praktische Rhetorik. Eine Gesprächs- und Redelehre, Schroedel Schulbuchverlag und Konkordia Verlag

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