Berliner Meisterredner

Rhetorik – Reden – Führung

Berliner Meisterredner - Rhetorik – Reden – Führung

Toastmasters Leadership Institute in Berlin

Am 26. und 27. Januar 2013 hat in Berlin das erste Toastmasters Leadership Institute der Division C stattgefunden. Federführend mitorganisiert wurde die Fortbildungsveranstaltung von unserem Clubmitglied und Area C1 Governor Uta Bunde. Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Toastmasterclubs aus Berlin, Rostock, Dresden und Leipzig kamen in die Zentrale von Bombardier Transportation am Schöneberger Ufer, um ihre Rhetorik- und Führungsfähigkeiten auszubauen.

Begrüßt wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Johanna Mählmann, die in diesem Jahr als Division Governor die Toastmaster-Division C führt. Ehrengast der Veranstaltung war Morag Mathieson, die als District 59 Governor ehrenamtlich die Clubs in Kontinentaleuropa leitet. Mathieson erläuterte in ihren Ausführungen insbesondere die europäischen Toastmaster-Strukturen sowie die aktuellen Prioritäten. Ganz besonders ging sie auf die bevorstehende Teilung des District 59 ein, der momentan Clubs von Norwegen bis Portugal umfasst.

Die Workshops des Wochenendes befassten sich mit ganz unterschiedlichen Fragen aus dem Themenfeld Rhetorik und Führungsfähigkeiten. Dyane Neimann bot einen Workshop zu Körpersprache und Leadership an. Monique Blokzyl, Gründerin des Start-up Plattform „Business Launch Portal“, erläuterte, wie man als professioneller Redner erfolgreich werden kann. Area C2 Governor Dirk Brückner leitete einen Workshop, in dem es insbesondere darum ging, wie die Clubvorstände ihre jeweiligen Ämter noch besser ausfüllen können. Mit dem Thema Mentoring im Club befasste sich ein Workshop von Area C3 Governor Peter Henrich, und mit Qualitätsstandards in der Clubarbeit beschäftigte sich Area C1 Governor Uta Bunde. In weiteren Workshops ging es um gutes Feedback, Mitgliederwachstum der Clubs und die Entwicklung von Führungsfähigkeiten.

Zum Toastmaster Leadership Institute der Division C waren Vorstände und Mitglieder aus allen Toastmasterclubs Ostdeutschlands eingeladen. Die Division C ist in drei Areas (C1 bis C3) aufgeteilt. Sie umfasst deutsch- und englischsprachige Toastmasterclubs in Berlin, Dresden, Erfurt, Halle, Leipzig und Rostock.

Rhetorik im Beruf und privat

Stegreifreden

Stegreifrede

Stegreifrede

Brigitte moderiert die Stegreifreden. Als Leitmotiv für die Stegreifreden hat sie das Glück ausgewählt. Sie stimmt die Gäste und Mitglieder mit einem Rundblick auf das Glück ein. Schließlich leitet sie zum ersten Redner über: Jeder weiß jetzt, daß sie nun irgendeine Person auswählen wird, um sie spontan zu einer zweiminütigen Rede zu bitten. Worüber soll diese Person sprechen, und wer wird es sein? Die Augen aller Teilnehmer wandern im Saal umher. Sie meiden den Blickkontakt mit Brigitte. Manch einer wird denken, hoffentlich sieht Brigitte mich nicht. Brigitte spricht Maria an: „Was hältst Du davon, dass die Arbeit ein Quell des Glücks ist?“ Maria erhebt sich und nach einer kurzer Pause hat sie sich gefaßt: „Heute morgen habe ich meinen neuen Arbeitsplatz erstmals aufgesucht. Ich bin versetzt worden und war sehr gespannt, wie ich aufgenommen werde. Aber alle Sorge war Gott sei Dank vergeblich. Auf meinem Schreibtisch lag ein Berg vergessener Arbeit. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was es für ein Freude ist, sich durch Unbekanntes zu wühlen und dabei gleich mit der gesamten Abteilung bekannt zu werden ….“ Gelächter im Saal. Und Maria hebt an, humorvoll über die Hürden des neuen Arbeitsplatzes und ihren Weg aus der Anspannung zu reden.

Das Publikum gewinnen

Klub-Treffen

Klub-Treffen. Rhetorik üben.

Wer hat nicht schon unvermittelt und unvorbereitet vor erwartungsvollen Zuhörern gestanden? Wem flirrt nicht das Herz bei dem Gedanken, vor einer Gruppe von Menschen zu stehen, die er schnell, packend und vielleicht auch noch amüsant informieren soll? Ähs gehen fortlaufen über die Lippen und in diesen unschönen Pausen suchen unsere Gedanken hektisch nach dem Fortgang der Rede. Ob Geschäftsführer, Politiker oder Brautvater – schnell ist eine Chance vergeben mit Charme zu informieren, das Publikum zu gewinnen und einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Seinen Interessen eine Stimme zu geben, gehört heute nicht nur zum Handwerkszeug im Beruf. Auch beim Elternabend in der Grundschule werden beispielsweise Meinungen und Wünsche nur dann gehört, wenn sie verständlich und überzeugend vorgetragen werden.

Ausbildungsprogramm

Seit Januar dieses Jahres treffen sich zwei Mal im Monat die Meisterrednern in den Räumen der Trinitatis-Gemeinde in der Leibnizstraße 79. Die Meisterredner gehören zum Verband der Toastmasters Inernational. Diese Gruppe, die schon seit mehr als 70 Jahren besteht, trainiert das Reden in der Öffentlichkeit in kleinem, vertrauten Kreis und zu niedrigstmöglichen Kosten. In einem Klub treffen sich ca. 25 Mitglieder, um nach einem bewährten Ausbildungsprogramm das Reden in unterschiedlichen Situationen zu üben. Im Mittelpunkt steht das Halten einer Rede von ca. 5 Minuten. Jeder Redner bereitet sich nach einem fest vorgegebenen Redeplan vor. Das Thema ist frei und die Klubabende sind entsprechend unterhaltsam. In einer anschließenden Bewertungsrede bekommt jeder Redner eine konstruktive Rückmeldung zu der Wirkung seiner Rede. So verbessert man sich fortlaufend. Gäste sind jederzeit herzlich willkommen.

Wer hier mitmacht weiß, dass er beim nächsten Mikrofon, welches ihm in der Fußgängerzone entgegen gehalten wird, nicht zur Salzsäule erstarren muss. Er wird vorbereitet sein, sich in einem solchen Moment zu sammeln, auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich verständlich zu äußern. Denn die Übung bei den sogenannten Stegreifreden im Club macht auch hier den Meister.

Übung macht den Meister – Redner

Berliner Redner bei den Meisterrednern

Jürgen Hall

In einem Fußballverein wird Fußball gespielt. Was will uns der Autor damit sagen? Gelegentlich werden wir von Gästen bei den Meisterrednern darauf angesprochen, daß bei uns aber viel geredet wird. Welchen Eindruck würden wir bei einem Fußballtrainer hinterlassen, wenn wir sein Training mit „hier wird aber viel Fußball gespielt“ kommentieren würden. Wie, außer durch üben, üben und nochmals üben können wir uns verbessern?

Wie soll denn ein Fußballer ein guter Spieler werden ohne zu üben? Wie soll das Redehandwerk vermittelt werden ohne das wir üben? Seit August 2007 bin ich nun Mitglied der Berliner Meisterredner.

Der Club bietet sehr viele Möglichkeiten zu reden, und das ist auch gut so. Und ein Anlaß sind die Redewettbewerbe im Frühjahr und im Herbst. Durch glückliche Umstände konnte ich mich im Frühjahr für die norddeutschen Meisterschaften in der Disziplin Bewertungsrede qualifizieren. Bewertungsrede ist ein schwieriges Thema. Wenig Vorbereitungszeit für die Rede, sodaß in wenigen Minuten eine wohlwollende, analytische Rede vorbereitet und gehalten werden soll.

Verschiedene Aspekte wie Struktur, Präsentation und Inhalt/Sprache sollen dabei berücksichtigt werden. Nach meiner Rede beim Wettbewerb wurde mir bewußt, daß ohne die vielen Reden, die ich bereits im Club gehalten habe, diese schwierige Aufgabe für mich nicht lösbar gewesen wäre.

Ich bleibe dabei, ohne Übung wird man kein Meister – Redner.

 

Weshalb wir uns in Rhetorik üben

Jürgen Hall

Rhetorik ist für viele etwas Exotisches, ein Stück Land auf einem fremden Kontinent. Wo liegt es überhaupt, und wie sehen seine Grenzen aus? Exotisch, das heißt auch: rätselhaft, undurchschaubar, interessant, aber irgendwie…. gefährlich. Lieber die Finger davon lassen.  Ich behaupte: Unsere tägliche Kommunikationspraxis wird bestimmt durch rhetorisches Handeln.

Ständig sind wir bewusst geplanten Beeinflussungsversuchen ausgesetzt, wehren uns dagegen mit rhetorischen Mitteln, unternehmen selbst entsprechende Versuche, unsere Interessen- möglichst reibungslos versteht sich – durchzusetzen.  Wir können uns diesen Prozessen nicht entziehen. Damit können wir uns auch der Rhetorik nicht entziehen.

Wer mit Rhetorik nichts zu tun haben will, begibt sich oder ergibt sich bewusst in die Rolle des Ohnmächtigen, des Befehlsempfängers und ist den rhetorischen Möglichkeiten des anderen ausgeliefert. Wer nicht will, dass der Einzelne mit Hilfe von Sprache für seine Bedürfnisse, Einsichten und Rechte streiten kann, der will auch letztlich keine Demokratie.

Deshalb tut Rhetorik not.

Jürgen Hall – Präsident der Berliner Meisterredner 2008 / 2009

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Text in Anlehnung an Arbeitsunterlagen für den Sprach- und Literaturunterricht, Autor: Klaus Pawlowski, Praktische Rhetorik. Eine Gesprächs- und Redelehre, Schroedel Schulbuchverlag und Konkordia Verlag

Redekunst kann man lernen

Klaus Wowereit

Klaus Wowereit

Grußbotschaft anlässlich der Europäischen Toastmaster-Konferenz
vom 19. – 21. November 2004 in Berlin

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

zur Europäischen Toastmasterkonferenz begrüße ich Sie sehr herzlich in Berlin.

„Singe, wem Gesang gegeben“ hat der deutsche Autor und Literaturwissenschaftler Ludwig Uhland einst gedichtet. Man ist gelegentlich versucht, diese Worte auf die hohe Kunst der Rede zu übertragen. Wir alle haben uns wohl schon einmal gemüht, einem langatmigen Vortrag zu lauschen, haben bei einem Referat verzweifelt nach der Botschaft gesucht oder konnten einem Schnellsprecher trotz guten Willen einfach nicht mehr folgen. Der Wunsch, dass eine Rede doch bitte nur derjenige halten möge, der das auch kann, ist in solchen Momenten schnell ausgesprochen.

Was wir dabei übersehen: Die Redekunst mag manchen von uns vielleicht mit in die Wiege gelegt worden sein. Aber man kann es auch lernen. Wer seinen Zuhörerinnen und Zuhörern mit packenden Worten fesseln möchte, der braucht vor allem eines: Viel Praxis.

Das stellen Sie als Mitglieder von Toastmasterclubs unter Beweis. Denn Sie alle üben sich regelmäßig in der Kunst der freien Rede und haben damit große Erfolge. Sie verstehen es, Ihre Worte mit einer Priese Humor zu würzen. Sie können andere mitreißen und Sie wissen, dass es auch auf das richtige Tempo, auf Betonung und Körpersprache ankommt.

Die Toastmaster übernehmen eine wichtige Aufgabe, wenn es darum geht, für mehr rhetorischen Glanz zu sorgen. Und sie leisten einen großen Beitrag zur Verständigung zwischen Menschen. Denn oft genug beruhen heftige Auseinandersetzungen beispielsweise in der Politik nicht etwa auf unterschiedlichen Positionen, sondern einzig und allein auf einem kommunikativen Missverständnis. Gerade in einer globalisierten Welt kommt es jedoch darauf an, dass wir einander zuhören und verstehen was der andere sagt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine unterhaltsame europäische Toastmasterkonferenz und natürlich vor allem gute rhetorische Erfolge in Ihrem beruflichen Alltag. Allen auswärtigen Gästen wünsche ich einen angenehmen Aufenthalt in Berlin.

Berlin, im November 2004