Das war das Rhetorik-Training am 15. August 2019!

Wieder einmal kamen die Berliner Meisterredner mit vielen Gästen zusammen, um ihre rhetorischen Fähigkeiten zu trainieren. Ein ereignisreicher Abend mit spannenden vorbereiteten Reden und solchen aus dem Stehgreif!

Die Bilder des Abends findet Ihr unter https://www.facebook.com/Meisterredner/photos/pcb.10162332439030464/10162332421930464/?type=3&theater

Zunächst müssen wir uns bei Olga und Sabina von den Center Berlin Toastmasters bedanken. Denn sie übernahmen freundlicherweise die Moderation des Abends und die Stegreifredenleitung. Danke!

Der Abend begann wie immer mit der Begrüßung durch den Präsidenten. Sebastian Foltan eröffnete ihn mit dem Hammerschlag und befragte die zahlreichen Gäste, wie und warum sie zu uns gefunden haben.

Danach übernahm Moderatorin Olga und leitete zum Toast über, der von Meisterrednerin Kerstin Probst gesprochen wurde. Wir tranken dann auf alle, die uns im eigenen Glanz leuchten lassen.

Die erste vorbereitete Rede des Abends hielt Maike Ehrensberger. Ihr Thema: „Licht auf Yoga“. Sie berichtete darin, wie sie zum Iyengar-Yoga kam, wie sie dies veränderte und machte uns auf der eigens mitgebrachten Yoga-Matte sogar einige Übungen vor!

Die zweite Rede hielt Elisabeth Smith. Sie hatte eine komplizierte Aufgabe zu bewältigen, sie sollte uns etwas verkaufen. Deswegen lautete der Titel ihrer Rede auch „Das Allerneuste auf dem Gebiet der Gesundheit“.

Das Allerneuste ist nach Elisabeth das so genannte waste water, eine Flüssigkeit, die die DNS umgibt und keinesfalls bloß als „Abfall“ verstanden werden sollte. Denn sie dient zur Signalübertragung innerhalb der DNS und je weniger davon vorhanden ist, desto schlechter funktioniert unser Erbgut und damit die Neubildung der Zellen.

Aber man kann es kaufen und sozusagen nachfüllen! Dazu trägt man es auf die beeinträchtigte Stelle des Körpers direkt auf oder man verteilt sie entlang der Halswirbelsäule.

Das taten nach dem Verteilen von Produktproben auch einige „Testkunden“ unter den Meisterrednern. Leider stellte sich der erwartete Erfolg nicht, bzw. nicht sofort, bzw. nicht bei allen, ein.

Danach sprach Meisterredner Ali Mercan. Er resümierte, was ihm der Abschluss des Pfades „Dynamische Führung“ bei Pathways, der Toastmasters-Lernplattform, gebracht hat. Seine Rede hieß „Statisch in der Dynamik“

Alis Arbeit liegt zwischen zwei Hierarchieebenen, ohne dass er selbst eine Weisungsbefugnis hätte. D.h. er bekommt Anordnungen von der Ebene 1 und muss diese dann an mehrere Unterebenen weiterleiten und dafür sorgen, dass sie umgesetzt werden.

Dabei reicht es nicht, an eine Unterebene heranzutreten und zu bestimmen, was sie machen soll. Denn dann fühlt diese sich wohlmöglich vor den Kopf gestoßen, bzw. sieht überhaupt nicht ein, warum sie nun Alis Anweisungen befolgen sollte.

Insofern hat Ali festgestellt, dass es am besten ist, wenn man die Expertise des anderen anerkennt. Zudem sollte man nicht einfach bloß Panik verbreiten, sondern möglichst genau und einzelfallorientiert die Anweisung weitergeben.

Überdies hat er erkannt, dass man sich von Rückschlägen welcher Art auch immer nicht beeinflussen lassen, sondern einfach immer weiter machen soll.

Danach ging es an die Stegreifreden. Die Moderation übernahm hier Sarina von den Center Berlin Toastmasters. Das übergeordnete Thema: „Stellt Euch vor“.

Leider war es dann nicht so, dass man einfach „Ich bin XY, YZ Jahre alt und mag gern Trachtenmoden“ (:-)) sagen konnte. Nein! Sarina stellte genaue Anforderungen an die Vorstellung.

Der Blogger, also ich, war der erste Stegreifredner. Ich musste mir ein Gemüse ausdenken und mich als dieses vorstellen. Weil ich so groß bin, wählte ich den Spargel und erzählte, was man mit mir so alles anstellen kann.

Meisterrednerin Antonia Montesinos musste sich als Studiengang vorstellen. Ihr Studiengang hieß „Hey, das Leben ist schön!“

Gast Isabella musste uns mitteilen, welche App sie ist.

Danach stellte sich Gast Stefan als Flugzeugteil vor und wählte das Triebwerk.

Gast Leon musste sich dann als Kleidungsstück einführen. Er wählte die Lederjacke.

Neumeisterrednerin Kathy Messmer stellte sich danach als Smartphone vor.

Schließlich führte sich Gast Carla noch als Superheldin ein.

Danach ging es an die Bewertungsreden und dann zum Griechen um die Ecke!

Fazit: Ein gelungener Abend, der Spaß am Reden Halten wurde hinreichend zelebriert!

Rhetorik-Skills #2: Manipulation erkennen und kontern

Durch sprachliche Mittel lässt sich überzeugen ohne wirklich überzeugend zu sein. Doch damit betritt man den Pfad der Manipulation. Das ist nicht integer, doch wie erkennt man so etwas, wie geht man damit um und wie kontert man?

1. Schritt: Die möglichst nüchterne Analyse

Wenn man Manipulation wittert, sollte man zunähst alles in Zweifel ziehen, was der potentielle Manipulator von sich gibt. Auch müssen die Emotionen möglichst abgeschaltet werden, hier hilft es sich selbst zu fragen, was einen gerade leitet. Der messerscharfe Verstand oder doch nur Emotionen wie Mitleid, Wut oder Gier?

Ist dies getan, besteht der Vorteil der möglichst nüchternen Analyse. Was weiß ch eigentlich dazu? Weiß ich vielleicht überhaupt nichts darüber?

Dieser erste Schritt hat einen enormen Vorteil: Ihr gewinnt Zeit zum Nachdenken, vielleicht sogar zur Recherche mit dem Smartphone und müsst nicht vorschnell glauben!

2. Schritt: Begründung checken

Wer Euch von etwas überzeugen will, sollte gute Argumente dafür haben. Doch wann ist ein Argument gut, wann ist es schlecht?

Ein Argument ist gut, wenn es seinerseits zutrifft und die Behauptung belegt.

Beispiel: Wir müssen mehr Geld in den Straßenbau investieren, weil unsere Straßen marode sind und dadurch Gefahren für die Verkehrsteilnehmer geschaffen werden.

Es gibt aber noch den bösen Zwilling des guten Arguments, das Scheinargument. Es kommt sprachlich genauso daher wie das echte Argument, weil dieselben Konjunktionen verwendet werden.

Ein populäres und gerade aktuelles Beispiel: Die Mondlandung war gefaked, weil auf den Bildern der Astronauten von der Mondoberfläche keine Sterne zu sehen sind und weil die US-Flagge im Wind weht, obwohl es auf dem Mond keinen Wind gibt.

Im Schafspelz eines Arguments kommen hierbei bloß weitere Behauptungen daher. –> Man müsste auf den Fotos Sterne sehen –> Die Flagge dürfte nicht im Wind wehen.

Natürlich ist es im Einzelfall enorm schwer zu ermitteln, ob es sich um ein echtes oder nur um ein Scheinargument handelt. Aber Ihr könnt Euch damit behelfen, das Argument aktiv zu hinterfragen. „Weißt Du das sicher, oder glaubst Du es nur?“, „Woraus ergibt sich das?“

Neben dem Scheinargument gibt es noch eine ganze Reihe von Manipulationstechniken. Wer Euch von etwas überzeugen möchte, sollte nicht auf die Manipulation zurückgreifen müssen! Aber das sind so viele Techniken, dass sie nun wirklich nicht in diesen Beitrag passen. (Manipulation erkannt?:-)

Hier findet Ihr eine gute Übersicht.

3, Schritt: Manipulation kontern

Wenn man ein Scheinargument oder eine andere Manipulationstechnik ausmacht, kontert man am besten, indem man es anspricht. „Das ist doch ein Scheinargument!“, „Warum musst Du bei Punkt XY zur Manipulation greifen, um zu überzeugen?“

Bei Manipulationstechniken, die den Entscheidungsspielraum einengen, hilft es, diesen wieder zu öffnen. „Warum, man kann doch auch XY tun!“

Viel Spaß damit,

Eure Meisterredner!

Der ewige Kampf um den Wanderpokal

In unserem Destrikt versuchen die Toastmasters-Klubs einander ständig den Wanderpokal abzuluchsen. Am 29.8.2019 wollen die Toastmasters aus Göttingen ihn zu sich holen.

Heiß begehrter Pokal

Ein Klub darf ihn in einem Triumphzug und unter Fanfarenstößen dem aktuell führenden Klub abnehmen, wenn dort an einem Abend (1) ein Mitglied des herausfordernden Klubs eine Rede hält und (2) ein weiteres die Gesamtbewertung übernimmt.
Was auf den ersten Blick trivial wirkt, ist in Wirklichkeit held*innenhaft! Die Klubmitglieder müssen ihre prall gefüllten Terminkalender nach einem passenden Tag durchforsten und die Anreise organisieren. Schließlich darf auch nichts den gefassten Schlachtplan durchkreuzen.
Der Wanderpokal steht momentan bei uns Meisterrednern. Doch nun machen sich tapfere Paladine aus Göttingen zu uns auf! Die Meisterredner Elisabeth Smith und Sebastian Foltan besuchten die Herausforderer vorab und verbrachten mit ihnen einen schönen Klubabend.

Übrigens: Sollten Rhetorik-Begeisterte aus Göttingen und Umgebung mitlesen, der göttinger Klub braucht nur noch vier Mitglieder, um zum offiziellen Toastmasters-Klub zu werden!

Patricia berichtet über die Gründung der Berliner Meisterredner

Ich bin Patricia Steinmann, Studienrätin für Deutsch, Englisch und Geschichte, Lehrer-Coach und Supervisorin, Gründerin und ehemalige Präsidentin der Berliner Meisterredner und erste DTM in Berlin.

Wann hat es angefangen?

In den 1990er Jahren gab es in Berlin drei englischsprachige Toastmasters Clubs, First Berlin, South Berlin (†) und Mercury. Sie wurden eher als Konversationsgruppen geführt, in denen man die englische Sprache üben konnte. Die Redner waren oft nicht vorbereitet, die Bewerter gaben undifferenziertes Feedback und bewunderten meist nur unverhohlen gutes Englisch. Die rhetorische Entwicklung kam zu kurz. 
Ich kannte es anders, denn ich hatte in den USA muttersprachliche Toastmasters-Clubs erlebt. Ich hatte erlebt, dass es Spaß macht, das Ausbildungsprogramm von Toastmasters Int. ernst zu nehmen. In meinem Berliner Club Mercury gab Frank Spade, auch US-Toastmasters-erfahren und unzufrieden mit der Anspruchslosigkeit der Berliner Clubs.
Frank Spade und ich beschlossen deshalb im Sommer 2001, in Berlin einen deutschsprachigen Toastmasters Club zu gründen, in dem es um die Entwicklung rhetorische Fähigkeiten im Sinne von Toastmasters Int. gehen sollte.

Was heißt es nun, einen Club zu gründen?

Bei Club-Gründungen gibt es immer vier Herausforderungen und in unserem Fall eine weitere fünfte:

1. einen geeigneten Raum zu finden, 
2. durch Werbung auf sich aufmerksam zu machen, und 
3. interessierten Gästen so attraktive Clubabende vorzuführen, dass sie von dem Toastmasterskonzept überzeugt zu Mitglieder werden.
4. Diese Mitglieder über einen gewissen Zeitraum zu halten.

1. Unser erster Raum war das Hinterzimmer des Szene-Restaurants Terzo Mondo in der Nähe des Savignyplatzes. Der Raum war kostenlos, aber auch schmuddelig und dunkel. Wir hatten Verzehrzwang und konnten die Erwartungen des Wirtes nicht erfüllen. Er begann, das Zimmer als Abstellraum zu benutzen. Wir verharrten dort einige Monate, bis uns ein neues Mitglied einlud, in seine mondäne Kanzlei am Kudamm umzuziehen.
2. Marketing ist bei einer Gründung die größte Herausforderung, und wir bemühten uns mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Frank Spade erstellte eine schöne Website. Schifra Wittkopp, ein frühes Mitglied und Marketingexpertin, brachte uns in Funk und Fernsehen. Außerdem verteilten wir Flyer. Wir steckten sie in Buchläden und Büchereien in Rhetorikbücher, legten sie auf U-Bahn- und Park-Bänken aus oder klebten sie an Laternenmaste. Und natürlich half auch Mundpropaganda im Bekanntenkreis.
3/4. Für attraktive Clubabende baten Frank und ich andere Toastmasters um Unterstützung. In jeder Sitzung begrüßten wir Gäste aus den englischsprachigen Clubs, auch aus Hamburg, Hannover und Buxtehude. Die überschaubare norddeutsche Toastmasters-Szene war immer hilfsbereit und unterstützend und motivierte uns auch in schwierigen Phasen, wenn zum Beispiel Mitglieder schon vor der Charter wieder absprangen, weiterzumachen.

5. In der Gründungsphase der Meisterrednern kam noch die Herausforderung hinzu, dass es keine offiziellen deutschsprachigen Materialien gab. Der einzige deutschsprachige Club war in München. Er stellte uns seine private Übersetzung des Grundlagen-Handbuchs zur Verfügung, das wir dann unseren neuen Mitgliedern als Fotokopie aushändigten. Wir selbst übersetzten zusammen mit Mercury-Mitgliedern Materialien wie den Aufnahmeantrag, das Toastmastersversprechen, die Satzung und Verfassung, die Ämterbeschreibungen, Wettbewerbsunterlagen usw. Heute übliche Begriffe wie “Saalmeister” (engl. Sergeant-at-Arms), “Stegreifreden” (engl. Table Topics) oder “Gesamtbewerter” (engl. General Evaluator) wurden von den Berliner Meisterrednern geprägt und gingen in die offiziellen Unterlagen ein, die Toastmasters nach intensiver Lobby-Arbeit einige Jahre später bereitgestellte.

Wie kamen die Meisterredner zu ihrem Namen?

Über den Namen stimmten die Mitglieder im Laufe des Jahres 2002 ab. Da wir der erste deutschsprachige Hauptstadtclub waren, wollte ich ihm einen besonderen Namen geben. Es gab Vorschläge wie Berliner Rhetoriker, Redner-Club und Spreeredner. Für meinen Vorschlag, „Berliner Meisterredner“, übersetzte ich zunächst einfach Toastmasters: Toast=Rede, Masters=Meister. Damit waren wir der prototypische deutschsprachige „Toast-Masters“ Club.
Allerdings vertauschte ich die Komponenten von Toast-Masters/Rede-Meister zu „Meister-Redner“, um den Club subtil in eine große Tradition zu stellen, nämlich in die der „Meister-Singer“. Die Meistersinger waren eine spätmittelalterliche Vereinigung, die nach strengen Regeln deutsche Texte dichtete, diese in Sitzungen vortrug und Wettbewerbe veranstaltete. Sie funktionierten ähnlich wie die Toastmasters. Auch setzte sie sich mit ihren deutschen Texten von der „Lingua Franca“ der Zeit, damals Latein, ab, so wie wir das mit deutschen Reden in Bezug auf Englisch machen wollten.
Im 19. Jahrhundert schrieb der Komponist Richard Wagner die Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Darin geht es um eine turbulente Clubsitzung, schwierige Mitgliederbeziehungen und einen dramatischen Open-Air-Wettbewerb der Meistersinger. Das Werk wird noch immer regelmäßig an allen großen Opernhäusern der Welt aufgeführt. Im Namen „Meisterredner“ erklingt also auch für manchen, und das eben weltweit, große Opernmusik.

Wie charterten die Meisterredner?

Die Charterfeier des ersten deutschsprachigen Toastmasters Club in der Hauptstadt im Herbst 2003 war ein großes Ereignis. Wir erhielten eine Grußbotschaft vom damaligen Regierenden Bürgermeister, Klaus Wowereit, hörten den Vortrag eines Rhetorikprofessors der UdK und begrüßten Gäste aus Deutschland und Polen und auch von den deutschsprachigen „Geschwisterclub“ aus München.

Ein Toastmasters-Club kann mit 20 Mitgliedern gechartert werden. D.h. für die Initiatoren/Gründer, dass sie mit Ausdauer und Beharrlichkeit Mitglieder anwerben, ausbilden und pflegen, bis schließlich 20 “Gründungsmitglieder” zusammen sind und bei Toastmasters International die Charter mit Banner, Urkunde und Clubnummer beantragt werden kann. Bei den Meisterrednern hat dieser Prozess fast zwei Jahre gedauert. Neben Frank Spade und mir als GründerInnen ist Schifra Wittkopp ein Gründungsmitglied, das früh zu dem Club stieß und ihn sehr engagiert und erfolgreich mitprägte, als spätere Präsidentin und vor allem als Marketingexpertin. Weitere frühe Mitglieder sind Gaby Braehler und Sylvia Butenschoen, die später auch Präsidentinnen waren und insgesamt große Verdienste um den Club haben.

Welche Veränderungen gab es in den letzten 20 Jahren?

Die Toastmasters gibt es inzwischen seit fast 100 Jahren. In den letzten 20 Jahren habe ich zwei formale Veränderungen miterlebt: Die alten Reden-Handbücher wurden durch ein Handbuch für die sog. unterstützenden Ämter, wie Stegreifredenleiter oder Bewerter, ergänzt. Es war ein Versuch, diese Ämter aufzuwerten und das Gerangel um Redeplätze zu entspannen. Dann kam die große Reform der Ausbildungsgänge und die Digitalisierung durch die Einführung von Pathways, die wir jetzt alle miterleben.

Neben diesen Formalitäten habe ich in den vergangenen 20 Jahren drei weitere positive Veränderungen beobachten können: 

1. Neue Mitglieder sind entspannter als früher und brauchen kaum noch Manuskripte und Rednerpult. Sie wählen auch öfters persönliche Themen und sind besser artikuliert über Gefühle und innerpsychische Vorgänge.
2. Der Gebrauch der deutschen Sprache ist inzwischen selbstverständlich. Zum Millenniumwechsel war das noch nicht so. Die Absicht, gute Reden auf Deutsch halten zu wollen, wurde aufgrund der Erfahrungen im sog. Dritten Reich mit Unaufrichtigkeit und Manipulationswillen, Nationalismus und Revanchismus assoziiert. Der deutschen Sprache wurde noch nicht zugestanden, einen gleichrangigen Platz neben Französisch und Spanisch einzunehmen. Diese Haltung hatte auch Toastmasters International und verzögerte lange die Bereitstellung deutscher Materialien. Die Gründung eines deutschsprachigen Rhetorikclubs in der Hauptstadt war somit auch ein politisches Statement für den unverkrampften Umgang mit der Muttersprache und für die Rehabilitierung guter Rhetorik als einem unpolitischen und unverdächtigen Handwerkzeug.
3. Die allererfreuliche Entwicklung ist die Ausbreitung der Toastmasters-Idee in den letzten 20 Jahren. Aus den Meisterredner heraus sind mehrere Clubs entstanden: die Spreeredner, meine zweite Clubgründung, die Adlershof Toastmasters, eine Gründung von Schifra Wittkopp, die Redekünstler, gegründet von der Meisterrednerin Ines Wanka, und die Steglitz Toastmasters, gegründet von dem ehem. Meisterredner Jürgen Hall und mir. Diese Clubs haben in die sog. neuen Bundesländer ausgestrahlt, und inzwischen gibt es mehr deutsch- als englischsprachige Clubs in Deutschland. Es gibt sogar deutschsprachige Clubs in Prag, Breslau, Warschau und Moskau. Außerdem gibt es inzwischen die ersten Firmenclubs in Berlin, und es deutet alles daraufhin, dass Toastmasters weiterhin wächst und vielen Menschen die Möglichkeit gibt, ihre kommunikativen Fähigkeiten zu entwickeln und ein inspirierendes und produktives Miteinander zu pflegen.
Die Berliner Meisterredner behaupten sich in all den Jahren als deutschsprachiger Flaggschiff-Club in der Berliner TM-Szene und sind auch derzeit erfreulich qualitätvoll und wirkmächtig.

Das war das Rhetorik-Training vom 1. August 2019!

Die Berliner Meisterredner riefen wieder einmal zum Rhetorik-Training und eine große Zahl von Mitgliedern und Gästen kam!

Eingeleitet wurde der Abend von unserem Präsidenten Sebastian Foltan. Er begrüßte die Gäste und fragte sie, wie sie zu uns gefunden haben.

Danach übernahm Robert Kellner den Toast. Er prostete all denjenigen zu, die Zusammenkünfte ermöglichen.

Schließlich übernahm Moderatorin Maike Ehrensberger die Leitung des Abends und kündigte zunächst eine Ausbildungsrede von Ali Mercan an.

Der hatte das Thema Abschlüsse gewählt. So ein Abschluss ist nicht einfach, man muss wohlmöglich viele Dinge tun, die man vielleicht im Augenblick noch gar nicht überblickt. Deshalb impfte Ali und zwei Fragen ein: „Was will ich tun?“ und „Wann will ich es tun?“. Wenn man sich von ihnen leiten lässt, kommt man am Abschluss eigentlich nicht mehr vorbei!

Danach folte die erste Rede des Abends. Sie wurde von Murat von den Adlershof-Toastmasters gehalten, der bei uns einen Gastauftritt hinlegte. Murat sprach über Glutein und seine Wirkung auf den menschlichen Körper. Das Problem mit dem Stoff: Wenn man ihn verzehrt, erzeugt es ein gutes Gefühl, es bindet jedoch auch fett und macht müde.

Die zweite Rede wurde von Ali gehalten, sie trug den Titel „Hohe Ziele“. Darin zog er ein Resümee über seine Arbeit als Vizepräsident für Öffentlichkeitsarbeit bei uns Meisterrednern im vergangenen Toastmasters-Jahr.

Im Rahmen dieser Tätigkeit hatte er zunächst viele Tools ausprobiert, die dann nebenher liefen. Dabei bemerkte er, dass er sich auf die funktionierenden Tools konzentrieren musste, weil sonst zu viel Zeit für die nicht funktionierenden geopfert würde. Ferner erkannte er, dass er die Inahlte, mit denen er diese Tools bedienen wollte, nicht selbst generieren konnte, sondern einholen musste.

Rückblickend hätte er sich gewünscht, mehr Inhalte auf der Website einstellen zu können.

An dieser Stelle: Danke für die hervorragende Arbeit, Ali! Denn die hat uns bereits eine riesige Menge an Gästen und eine große Zahl an Neumitgliedern beschert!

Die dritte Rede hielt Antonia Montesinos. Antonia sprach darüber, wie man am besten Feedback gibt. Sie schlüsselte dies am Flipchart in fünf Punkte auf:

1. Analyse

2. Ziel des Feedbacks

3. Einstellung des Feedbackgebers

4. Das Gespräch mit dem Feedbackempfänger

5. Nachbereitung

Antonia betonte vor allem den dritten Punkt. Denn bevor man Feedback gibt, sollte man sich seiner Subjektivität bewusst werden und diese nicht allein zum Gegenstand des Feedbacks machen.

Danach kamen wir zum zweiten großen Teil des Abends, den Stehgreifreden. Stehgreifredenleiterin war diesmal Ilona Schäfer. Zum Thema hatte sie sich Werte gewählt.

Als erster Stehgreifredner wurde Stefan aufgerufen. Er musste in seiner Rede die Frage beantworten, was für ihn den höchsten Wert in der Familie darstellt. Für ihn ist das die Authentizität.

Weiter ging es mit „Was ist der höchste Wert im Umgang mit Fremden?“. Miriam antwortete darauf in ihrer Rede, dass es das Verständnis sei.

Die nächste Frage zu den Werten lautete: „Was ist der höchste Wert am Arbeitsplatz?“ Für Gabi ist es das Eingehen auf die Kunden, wie sie vortrug.

Franz bekam ein globaleres Thema: „Was ist der wichtigste Wert in der Gesellschaft?“ Franz meinte, es sei Toleranz.

Dann musste sich Achim mit dem Wert „Du sollst nicht lügen“ auseinandersetzen. Achim meinte, es sei dabei wichtig, sich seiner eigenen Interessen bewusst zu machen und auch auf die anderen einzugehen.

Schließlich wurde Elisabeth mit dem Wert „Du sollst nicht begehren“ konfrontiert. Sie erzählte daraufhin davon, dass sie einmal absichtlich Geld bei einer Investition verlor, um sich selbst vor Geldgier zu schützen.

Danach folgten die Bewertungsreden und schließlich räumten wir alle gemeinsam auf und feierten den Abend beim Griechen um die Ecke.

Es war wieder ein gelungener Abend!

Erste Reden #1: Vincents Gerechtigkeits-Evolution

An dieser Stelle berichten Meisterredner über ihre ersten Reden, im Toastmasters-Jargon auch Eisbrecher genannt.

Heute berichte ich, Vincent. Ich bin erst seit wenigen Monaten bei den Meisterrednern, es macht mir aber bei jedem Treffen mehr Spaß. Meine erste Rede hatte den Titel „Meine Gerechtigkeits-Evolutuion“.

In Pathways, dem digitalen Toastmasters-Ausbildungsprogramm arbeitete ich erst sorgfältig die Lektionen durch. Dort wurde mir erklärt, wie ich die Rede aufbauen sollte und wozu der Eisbrecher dienen soll. Er dient dazu, sich als Neumitglied im Klub vorzustellen.

Leider stand in Pathways nirgends, welches Thema ich wählen sollte. Ich muss mir wohl „warum einfach, wenn es auch kompliziert geht“ gedacht haben und so kam das Thema zustande. Die Idee war, die Entwicklung meiner Gerechtigkeitsvorstellung darzustellen, weil ich finde, dass man einen Menschen am besten kennt, wenn man um seine Gerechtigkeits-Vorstellung weiß.

Meine Vorbereitung lief so ab, ich schrieb einen Entwurf am Computer, feilte mehrfach daran und druckte ihn aus. Damit stellte ich mich vor den Spiegel und hielt die Rede mehrmals, bis ich sie auswendig kannte.

Das war noch einigermaßen einfach, jetzt musste ich die Rede nur noch halten:-)

Am Tag der Rede war ich schon früh im Rhetorik-Klub. Ich half beim Aufbau, mir wurde nebenbei noch die Ehre zuteil, das Amt des Zeitnehmers zu übernehmen. Da muss man so eine Ampel bedienen, die den Redner*innen anzeigt, wie vel Zeit ihnen noch bleibt. Ein wenig Ablenkung, doch plötzlich rief der Moderator mich auf die Bühne.

Da stand ich nun. Ich hatte mich direkt vor das Toastmasters-Pult gestellt und schlug dort wurzeln. Viel zu schnell fing ich viel zu schnell an zu sprechen. Pausen waren noch ein Fremdwort für mich.

Ich redete und redete wie ein italienischer Stadionsprecher und als ich fertig war, verschwand ich schnell von der Bühne. Ich vergaß sogar dem Moderator zum Abschied die Hand zu schütteln!

Gefühlsmäßig muss man es sich so vorstellen: Vorher und währenddessen Adrenalin, hinterher Endorphine. Man bekommt Applaus, der Bewertungsreder lobt einen in den höchsten Tönen (bis auf Sprechgeschwindigkeit und zu wenig Bewegung) und man erhält einen ganzen Stapel von Bewertungszetteln!

Diese Zettelchen waren klasse! Ein wirklich negatives Feedback gab es nicht. Und: Ich hatte nun meine Angst vor dem öffentlichen Sprechen verloren.

Ich denke für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung gibt es nichts besseres als die Toastmasters und die Meisterredner. Wo bekommt man sonst so viel beigebracht und so tolles Feedback?

Rhetorik-Skills #1: Flipchart richtig nutzen

Vor kurzem hielt Meisterredner Robert eine Ausbildungsrede zum Thema Flipchart, die uns nachhaltig imponiert hat. Wenn Ihr auch einmal eine Ausbildungsrede hören möchtet, dann kommt doch zum Rhetorik-Training!

Flipchart

Wenn man eine Rede halten und dazu ein Flipchart benutzen möchte, gibt es zunächst ein paar allgemeine Struggles: Ist eines da, gibt es genug unbeschriebenes Papier und sind vielleicht auch Stifte vorhanden, die in einer lesbaren Farbe und Schriftstärke schreiben, vorhanden?

Nachdem man dies geklärt hat, folgt Vorüberlegung zwei: Was soll ich wie darauf schreiben? Wie soll der Inhalt aufgedeckt werden?

„In der Kürze liegt die Würze“ – mehr als drei, vier vielleicht noch fünf Schlagwörter sind zuviel.

Wenn Ihr zu viel darauf schreibt, geht die Übersichtlichkeit flöten. Und vielleicht verliert Ihr auch die Aufmerksamkeit der Zuhörer, weil sie vor allem damit beschäftigt sind, zu lesen.

So bitte nicht!:-)

Wichtig ist auch die Lesbarkeit. Die Schlagwörter sollten so groß sein, dass man sie auch noch ohne Zuhilfenahme eines Opern-Fernglases in der letzten Reihe lesen kann. Und sie sollten möglichst in Blockschrift verfasst sein.

Sondern so!

Das nächste Problem ist die Aufdeckung. Soll man es selber machen und dazu wohlmöglich dem Publikum den Rücken zudrehen? Soll man sich Assistenz suchen? Vor, während oder nach dem Vortrag aufdecken?

Hierfür gibt es natürlich keine Gesetze, es kommt auf Eure Rede und Euch an. Wenn Ihr es einigermaßen elegant und ohne unnötige Unterbrechung hinbekommt, die Schlagwörter während der Rede hinzuschreiben, dann solltet Ihr das tun. Wenn nicht, dann macht es Sinn, die Schlagwörter vor der Rede aufzuschreiben und dann in einem kurzen Akt aufzudecken. Das „Wie“ gehört hier sicher auch in den Bereich Kreativität aber man sollte sich vorher darüber Gedanken machen.

Schließlich – wo steht Ihr während der Rede? Davor, daneben, dahinter (:-))? Davor ist ungünstig, weil Ihr dadurch das Flipchart verdeckt. Deshalb stellt Euch am besten horizontal zum Publikum daneben und zeigt mit der Hand, einem Zeigestock, etc. von der Seite auf das Schlagwort.

Finally

Viel Spaß damit!

Eure Meisterredner