Der ewige Kampf um den Wanderpokal

In unserem Destrikt versuchen die Toastmasters-Klubs einander ständig den Wanderpokal abzuluchsen. Am 29.8.2019 wollen die Toastmasters aus Göttingen ihn zu sich holen.

Heiß begehrter Pokal

Ein Klub darf ihn in einem Triumphzug und unter Fanfarenstößen dem aktuell führenden Klub abnehmen, wenn dort an einem Abend (1) ein Mitglied des herausfordernden Klubs eine Rede hält und (2) ein weiteres die Gesamtbewertung übernimmt.
Was auf den ersten Blick trivial wirkt, ist in Wirklichkeit held*innenhaft! Die Klubmitglieder müssen ihre prall gefüllten Terminkalender nach einem passenden Tag durchforsten und die Anreise organisieren. Schließlich darf auch nichts den gefassten Schlachtplan durchkreuzen.
Der Wanderpokal steht momentan bei uns Meisterrednern. Doch nun machen sich tapfere Paladine aus Göttingen zu uns auf! Die Meisterredner Elisabeth Smith und Sebastian Foltan besuchten die Herausforderer vorab und verbrachten mit ihnen einen schönen Klubabend.

Übrigens: Sollten Rhetorik-Begeisterte aus Göttingen und Umgebung mitlesen, der göttinger Klub braucht nur noch vier Mitglieder, um zum offiziellen Toastmasters-Klub zu werden!

Patricia berichtet über die Gründung der Berliner Meisterredner

Ich bin Patricia Steinmann, Studienrätin für Deutsch, Englisch und Geschichte, Lehrer-Coach und Supervisorin, Gründerin und ehemalige Präsidentin der Berliner Meisterredner und erste DTM in Berlin.

Wann hat es angefangen?

In den 1990er Jahren gab es in Berlin drei englischsprachige Toastmasters Clubs, First Berlin, South Berlin (†) und Mercury. Sie wurden eher als Konversationsgruppen geführt, in denen man die englische Sprache üben konnte. Die Redner waren oft nicht vorbereitet, die Bewerter gaben undifferenziertes Feedback und bewunderten meist nur unverhohlen gutes Englisch. Die rhetorische Entwicklung kam zu kurz. 
Ich kannte es anders, denn ich hatte in den USA muttersprachliche Toastmasters-Clubs erlebt. Ich hatte erlebt, dass es Spaß macht, das Ausbildungsprogramm von Toastmasters Int. ernst zu nehmen. In meinem Berliner Club Mercury gab Frank Spade, auch US-Toastmasters-erfahren und unzufrieden mit der Anspruchslosigkeit der Berliner Clubs.
Frank Spade und ich beschlossen deshalb im Sommer 2001, in Berlin einen deutschsprachigen Toastmasters Club zu gründen, in dem es um die Entwicklung rhetorische Fähigkeiten im Sinne von Toastmasters Int. gehen sollte.

Was heißt es nun, einen Club zu gründen?

Bei Club-Gründungen gibt es immer vier Herausforderungen und in unserem Fall eine weitere fünfte:

1. einen geeigneten Raum zu finden, 
2. durch Werbung auf sich aufmerksam zu machen, und 
3. interessierten Gästen so attraktive Clubabende vorzuführen, dass sie von dem Toastmasterskonzept überzeugt zu Mitglieder werden.
4. Diese Mitglieder über einen gewissen Zeitraum zu halten.

1. Unser erster Raum war das Hinterzimmer des Szene-Restaurants Terzo Mondo in der Nähe des Savignyplatzes. Der Raum war kostenlos, aber auch schmuddelig und dunkel. Wir hatten Verzehrzwang und konnten die Erwartungen des Wirtes nicht erfüllen. Er begann, das Zimmer als Abstellraum zu benutzen. Wir verharrten dort einige Monate, bis uns ein neues Mitglied einlud, in seine mondäne Kanzlei am Kudamm umzuziehen.
2. Marketing ist bei einer Gründung die größte Herausforderung, und wir bemühten uns mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Frank Spade erstellte eine schöne Website. Schifra Wittkopp, ein frühes Mitglied und Marketingexpertin, brachte uns in Funk und Fernsehen. Außerdem verteilten wir Flyer. Wir steckten sie in Buchläden und Büchereien in Rhetorikbücher, legten sie auf U-Bahn- und Park-Bänken aus oder klebten sie an Laternenmaste. Und natürlich half auch Mundpropaganda im Bekanntenkreis.
3/4. Für attraktive Clubabende baten Frank und ich andere Toastmasters um Unterstützung. In jeder Sitzung begrüßten wir Gäste aus den englischsprachigen Clubs, auch aus Hamburg, Hannover und Buxtehude. Die überschaubare norddeutsche Toastmasters-Szene war immer hilfsbereit und unterstützend und motivierte uns auch in schwierigen Phasen, wenn zum Beispiel Mitglieder schon vor der Charter wieder absprangen, weiterzumachen.

5. In der Gründungsphase der Meisterrednern kam noch die Herausforderung hinzu, dass es keine offiziellen deutschsprachigen Materialien gab. Der einzige deutschsprachige Club war in München. Er stellte uns seine private Übersetzung des Grundlagen-Handbuchs zur Verfügung, das wir dann unseren neuen Mitgliedern als Fotokopie aushändigten. Wir selbst übersetzten zusammen mit Mercury-Mitgliedern Materialien wie den Aufnahmeantrag, das Toastmastersversprechen, die Satzung und Verfassung, die Ämterbeschreibungen, Wettbewerbsunterlagen usw. Heute übliche Begriffe wie “Saalmeister” (engl. Sergeant-at-Arms), “Stegreifreden” (engl. Table Topics) oder “Gesamtbewerter” (engl. General Evaluator) wurden von den Berliner Meisterrednern geprägt und gingen in die offiziellen Unterlagen ein, die Toastmasters nach intensiver Lobby-Arbeit einige Jahre später bereitgestellte.

Wie kamen die Meisterredner zu ihrem Namen?

Über den Namen stimmten die Mitglieder im Laufe des Jahres 2002 ab. Da wir der erste deutschsprachige Hauptstadtclub waren, wollte ich ihm einen besonderen Namen geben. Es gab Vorschläge wie Berliner Rhetoriker, Redner-Club und Spreeredner. Für meinen Vorschlag, „Berliner Meisterredner“, übersetzte ich zunächst einfach Toastmasters: Toast=Rede, Masters=Meister. Damit waren wir der prototypische deutschsprachige „Toast-Masters“ Club.
Allerdings vertauschte ich die Komponenten von Toast-Masters/Rede-Meister zu „Meister-Redner“, um den Club subtil in eine große Tradition zu stellen, nämlich in die der „Meister-Singer“. Die Meistersinger waren eine spätmittelalterliche Vereinigung, die nach strengen Regeln deutsche Texte dichtete, diese in Sitzungen vortrug und Wettbewerbe veranstaltete. Sie funktionierten ähnlich wie die Toastmasters. Auch setzte sie sich mit ihren deutschen Texten von der „Lingua Franca“ der Zeit, damals Latein, ab, so wie wir das mit deutschen Reden in Bezug auf Englisch machen wollten.
Im 19. Jahrhundert schrieb der Komponist Richard Wagner die Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Darin geht es um eine turbulente Clubsitzung, schwierige Mitgliederbeziehungen und einen dramatischen Open-Air-Wettbewerb der Meistersinger. Das Werk wird noch immer regelmäßig an allen großen Opernhäusern der Welt aufgeführt. Im Namen „Meisterredner“ erklingt also auch für manchen, und das eben weltweit, große Opernmusik.

Wie charterten die Meisterredner?

Die Charterfeier des ersten deutschsprachigen Toastmasters Club in der Hauptstadt im Herbst 2003 war ein großes Ereignis. Wir erhielten eine Grußbotschaft vom damaligen Regierenden Bürgermeister, Klaus Wowereit, hörten den Vortrag eines Rhetorikprofessors der UdK und begrüßten Gäste aus Deutschland und Polen und auch von den deutschsprachigen „Geschwisterclub“ aus München.

Ein Toastmasters-Club kann mit 20 Mitgliedern gechartert werden. D.h. für die Initiatoren/Gründer, dass sie mit Ausdauer und Beharrlichkeit Mitglieder anwerben, ausbilden und pflegen, bis schließlich 20 “Gründungsmitglieder” zusammen sind und bei Toastmasters International die Charter mit Banner, Urkunde und Clubnummer beantragt werden kann. Bei den Meisterrednern hat dieser Prozess fast zwei Jahre gedauert. Neben Frank Spade und mir als GründerInnen ist Schifra Wittkopp ein Gründungsmitglied, das früh zu dem Club stieß und ihn sehr engagiert und erfolgreich mitprägte, als spätere Präsidentin und vor allem als Marketingexpertin. Weitere frühe Mitglieder sind Gaby Braehler und Sylvia Butenschoen, die später auch Präsidentinnen waren und insgesamt große Verdienste um den Club haben.

Welche Veränderungen gab es in den letzten 20 Jahren?

Die Toastmasters gibt es inzwischen seit fast 100 Jahren. In den letzten 20 Jahren habe ich zwei formale Veränderungen miterlebt: Die alten Reden-Handbücher wurden durch ein Handbuch für die sog. unterstützenden Ämter, wie Stegreifredenleiter oder Bewerter, ergänzt. Es war ein Versuch, diese Ämter aufzuwerten und das Gerangel um Redeplätze zu entspannen. Dann kam die große Reform der Ausbildungsgänge und die Digitalisierung durch die Einführung von Pathways, die wir jetzt alle miterleben.

Neben diesen Formalitäten habe ich in den vergangenen 20 Jahren drei weitere positive Veränderungen beobachten können: 

1. Neue Mitglieder sind entspannter als früher und brauchen kaum noch Manuskripte und Rednerpult. Sie wählen auch öfters persönliche Themen und sind besser artikuliert über Gefühle und innerpsychische Vorgänge.
2. Der Gebrauch der deutschen Sprache ist inzwischen selbstverständlich. Zum Millenniumwechsel war das noch nicht so. Die Absicht, gute Reden auf Deutsch halten zu wollen, wurde aufgrund der Erfahrungen im sog. Dritten Reich mit Unaufrichtigkeit und Manipulationswillen, Nationalismus und Revanchismus assoziiert. Der deutschen Sprache wurde noch nicht zugestanden, einen gleichrangigen Platz neben Französisch und Spanisch einzunehmen. Diese Haltung hatte auch Toastmasters International und verzögerte lange die Bereitstellung deutscher Materialien. Die Gründung eines deutschsprachigen Rhetorikclubs in der Hauptstadt war somit auch ein politisches Statement für den unverkrampften Umgang mit der Muttersprache und für die Rehabilitierung guter Rhetorik als einem unpolitischen und unverdächtigen Handwerkzeug.
3. Die allererfreuliche Entwicklung ist die Ausbreitung der Toastmasters-Idee in den letzten 20 Jahren. Aus den Meisterredner heraus sind mehrere Clubs entstanden: die Spreeredner, meine zweite Clubgründung, die Adlershof Toastmasters, eine Gründung von Schifra Wittkopp, die Redekünstler, gegründet von der Meisterrednerin Ines Wanka, und die Steglitz Toastmasters, gegründet von dem ehem. Meisterredner Jürgen Hall und mir. Diese Clubs haben in die sog. neuen Bundesländer ausgestrahlt, und inzwischen gibt es mehr deutsch- als englischsprachige Clubs in Deutschland. Es gibt sogar deutschsprachige Clubs in Prag, Breslau, Warschau und Moskau. Außerdem gibt es inzwischen die ersten Firmenclubs in Berlin, und es deutet alles daraufhin, dass Toastmasters weiterhin wächst und vielen Menschen die Möglichkeit gibt, ihre kommunikativen Fähigkeiten zu entwickeln und ein inspirierendes und produktives Miteinander zu pflegen.
Die Berliner Meisterredner behaupten sich in all den Jahren als deutschsprachiger Flaggschiff-Club in der Berliner TM-Szene und sind auch derzeit erfreulich qualitätvoll und wirkmächtig.

Das war das Rhetorik-Training vom 1. August 2019!

Die Berliner Meisterredner riefen wieder einmal zum Rhetorik-Training und eine große Zahl von Mitgliedern und Gästen kam!

Eingeleitet wurde der Abend von unserem Präsidenten Sebastian Foltan. Er begrüßte die Gäste und fragte sie, wie sie zu uns gefunden haben.

Danach übernahm Robert Kellner den Toast. Er prostete all denjenigen zu, die Zusammenkünfte ermöglichen.

Schließlich übernahm Moderatorin Maike Ehrensberger die Leitung des Abends und kündigte zunächst eine Ausbildungsrede von Ali Mercan an.

Der hatte das Thema Abschlüsse gewählt. So ein Abschluss ist nicht einfach, man muss wohlmöglich viele Dinge tun, die man vielleicht im Augenblick noch gar nicht überblickt. Deshalb impfte Ali und zwei Fragen ein: „Was will ich tun?“ und „Wann will ich es tun?“. Wenn man sich von ihnen leiten lässt, kommt man am Abschluss eigentlich nicht mehr vorbei!

Danach folte die erste Rede des Abends. Sie wurde von Murat von den Adlershof-Toastmasters gehalten, der bei uns einen Gastauftritt hinlegte. Murat sprach über Glutein und seine Wirkung auf den menschlichen Körper. Das Problem mit dem Stoff: Wenn man ihn verzehrt, erzeugt es ein gutes Gefühl, es bindet jedoch auch fett und macht müde.

Die zweite Rede wurde von Ali gehalten, sie trug den Titel „Hohe Ziele“. Darin zog er ein Resümee über seine Arbeit als Vizepräsident für Öffentlichkeitsarbeit bei uns Meisterrednern im vergangenen Toastmasters-Jahr.

Im Rahmen dieser Tätigkeit hatte er zunächst viele Tools ausprobiert, die dann nebenher liefen. Dabei bemerkte er, dass er sich auf die funktionierenden Tools konzentrieren musste, weil sonst zu viel Zeit für die nicht funktionierenden geopfert würde. Ferner erkannte er, dass er die Inahlte, mit denen er diese Tools bedienen wollte, nicht selbst generieren konnte, sondern einholen musste.

Rückblickend hätte er sich gewünscht, mehr Inhalte auf der Website einstellen zu können.

An dieser Stelle: Danke für die hervorragende Arbeit, Ali! Denn die hat uns bereits eine riesige Menge an Gästen und eine große Zahl an Neumitgliedern beschert!

Die dritte Rede hielt Antonia Montesinos. Antonia sprach darüber, wie man am besten Feedback gibt. Sie schlüsselte dies am Flipchart in fünf Punkte auf:

1. Analyse

2. Ziel des Feedbacks

3. Einstellung des Feedbackgebers

4. Das Gespräch mit dem Feedbackempfänger

5. Nachbereitung

Antonia betonte vor allem den dritten Punkt. Denn bevor man Feedback gibt, sollte man sich seiner Subjektivität bewusst werden und diese nicht allein zum Gegenstand des Feedbacks machen.

Danach kamen wir zum zweiten großen Teil des Abends, den Stehgreifreden. Stehgreifredenleiterin war diesmal Ilona Schäfer. Zum Thema hatte sie sich Werte gewählt.

Als erster Stehgreifredner wurde Stefan aufgerufen. Er musste in seiner Rede die Frage beantworten, was für ihn den höchsten Wert in der Familie darstellt. Für ihn ist das die Authentizität.

Weiter ging es mit „Was ist der höchste Wert im Umgang mit Fremden?“. Miriam antwortete darauf in ihrer Rede, dass es das Verständnis sei.

Die nächste Frage zu den Werten lautete: „Was ist der höchste Wert am Arbeitsplatz?“ Für Gabi ist es das Eingehen auf die Kunden, wie sie vortrug.

Franz bekam ein globaleres Thema: „Was ist der wichtigste Wert in der Gesellschaft?“ Franz meinte, es sei Toleranz.

Dann musste sich Achim mit dem Wert „Du sollst nicht lügen“ auseinandersetzen. Achim meinte, es sei dabei wichtig, sich seiner eigenen Interessen bewusst zu machen und auch auf die anderen einzugehen.

Schließlich wurde Elisabeth mit dem Wert „Du sollst nicht begehren“ konfrontiert. Sie erzählte daraufhin davon, dass sie einmal absichtlich Geld bei einer Investition verlor, um sich selbst vor Geldgier zu schützen.

Danach folgten die Bewertungsreden und schließlich räumten wir alle gemeinsam auf und feierten den Abend beim Griechen um die Ecke.

Es war wieder ein gelungener Abend!

Erste Reden #1: Vincents Gerechtigkeits-Evolution

An dieser Stelle berichten Meisterredner über ihre ersten Reden, im Toastmasters-Jargon auch Eisbrecher genannt.

Heute berichte ich, Vincent. Ich bin erst seit wenigen Monaten bei den Meisterrednern, es macht mir aber bei jedem Treffen mehr Spaß. Meine erste Rede hatte den Titel „Meine Gerechtigkeits-Evolutuion“.

In Pathways, dem digitalen Toastmasters-Ausbildungsprogramm arbeitete ich erst sorgfältig die Lektionen durch. Dort wurde mir erklärt, wie ich die Rede aufbauen sollte und wozu der Eisbrecher dienen soll. Er dient dazu, sich als Neumitglied im Klub vorzustellen.

Leider stand in Pathways nirgends, welches Thema ich wählen sollte. Ich muss mir wohl „warum einfach, wenn es auch kompliziert geht“ gedacht haben und so kam das Thema zustande. Die Idee war, die Entwicklung meiner Gerechtigkeitsvorstellung darzustellen, weil ich finde, dass man einen Menschen am besten kennt, wenn man um seine Gerechtigkeits-Vorstellung weiß.

Meine Vorbereitung lief so ab, ich schrieb einen Entwurf am Computer, feilte mehrfach daran und druckte ihn aus. Damit stellte ich mich vor den Spiegel und hielt die Rede mehrmals, bis ich sie auswendig kannte.

Das war noch einigermaßen einfach, jetzt musste ich die Rede nur noch halten:-)

Am Tag der Rede war ich schon früh im Rhetorik-Klub. Ich half beim Aufbau, mir wurde nebenbei noch die Ehre zuteil, das Amt des Zeitnehmers zu übernehmen. Da muss man so eine Ampel bedienen, die den Redner*innen anzeigt, wie vel Zeit ihnen noch bleibt. Ein wenig Ablenkung, doch plötzlich rief der Moderator mich auf die Bühne.

Da stand ich nun. Ich hatte mich direkt vor das Toastmasters-Pult gestellt und schlug dort wurzeln. Viel zu schnell fing ich viel zu schnell an zu sprechen. Pausen waren noch ein Fremdwort für mich.

Ich redete und redete wie ein italienischer Stadionsprecher und als ich fertig war, verschwand ich schnell von der Bühne. Ich vergaß sogar dem Moderator zum Abschied die Hand zu schütteln!

Gefühlsmäßig muss man es sich so vorstellen: Vorher und währenddessen Adrenalin, hinterher Endorphine. Man bekommt Applaus, der Bewertungsreder lobt einen in den höchsten Tönen (bis auf Sprechgeschwindigkeit und zu wenig Bewegung) und man erhält einen ganzen Stapel von Bewertungszetteln!

Diese Zettelchen waren klasse! Ein wirklich negatives Feedback gab es nicht. Und: Ich hatte nun meine Angst vor dem öffentlichen Sprechen verloren.

Ich denke für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung gibt es nichts besseres als die Toastmasters und die Meisterredner. Wo bekommt man sonst so viel beigebracht und so tolles Feedback?

Rhetorik-Skills #1: Flipchart richtig nutzen

Vor kurzem hielt Meisterredner Robert eine Ausbildungsrede zum Thema Flipchart, die uns nachhaltig imponiert hat. Wenn Ihr auch einmal eine Ausbildungsrede hören möchtet, dann kommt doch zum Rhetorik-Training!

Flipchart

Wenn man eine Rede halten und dazu ein Flipchart benutzen möchte, gibt es zunächst ein paar allgemeine Struggles: Ist eines da, gibt es genug unbeschriebenes Papier und sind vielleicht auch Stifte vorhanden, die in einer lesbaren Farbe und Schriftstärke schreiben, vorhanden?

Nachdem man dies geklärt hat, folgt Vorüberlegung zwei: Was soll ich wie darauf schreiben? Wie soll der Inhalt aufgedeckt werden?

„In der Kürze liegt die Würze“ – mehr als drei, vier vielleicht noch fünf Schlagwörter sind zuviel.

Wenn Ihr zu viel darauf schreibt, geht die Übersichtlichkeit flöten. Und vielleicht verliert Ihr auch die Aufmerksamkeit der Zuhörer, weil sie vor allem damit beschäftigt sind, zu lesen.

So bitte nicht!:-)

Wichtig ist auch die Lesbarkeit. Die Schlagwörter sollten so groß sein, dass man sie auch noch ohne Zuhilfenahme eines Opern-Fernglases in der letzten Reihe lesen kann. Und sie sollten möglichst in Blockschrift verfasst sein.

Sondern so!

Das nächste Problem ist die Aufdeckung. Soll man es selber machen und dazu wohlmöglich dem Publikum den Rücken zudrehen? Soll man sich Assistenz suchen? Vor, während oder nach dem Vortrag aufdecken?

Hierfür gibt es natürlich keine Gesetze, es kommt auf Eure Rede und Euch an. Wenn Ihr es einigermaßen elegant und ohne unnötige Unterbrechung hinbekommt, die Schlagwörter während der Rede hinzuschreiben, dann solltet Ihr das tun. Wenn nicht, dann macht es Sinn, die Schlagwörter vor der Rede aufzuschreiben und dann in einem kurzen Akt aufzudecken. Das „Wie“ gehört hier sicher auch in den Bereich Kreativität aber man sollte sich vorher darüber Gedanken machen.

Schließlich – wo steht Ihr während der Rede? Davor, daneben, dahinter (:-))? Davor ist ungünstig, weil Ihr dadurch das Flipchart verdeckt. Deshalb stellt Euch am besten horizontal zum Publikum daneben und zeigt mit der Hand, einem Zeigestock, etc. von der Seite auf das Schlagwort.

Finally

Viel Spaß damit!

Eure Meisterredner

So spektakulär war das Rhetorik-Training am 18. Juli 2019!

Wieder schrieben wir einen dritten Donnerstag im Monat und wieder kamen die Meisterredner mit einer Vielzahl von Gästen zusammen, um ihre rhetorischen Fähigkeiten zu trainieren.

Den Clubabend eröffnete Präsident Sebastian Foltan mit der traditionellen Gästebefragung. Wie habt Ihr zu uns gefunden und warum?

Prädsident Sebastian Foltan

Dann übernahm die Moderatorin des Abends Sandra Jankrift und leitete zum Toast über, bei dem uns Stefan Waller zuprostete.

Moderatorin Sandra Jankrift
Toast von Stefan Waller

Dann stellten die Amtsträger kurz ihre Ämter vor.

Danach kündigte die Moderatorin die erste Rede an. Sie sollte von Elisabeth Smith gehalten werden aber es war eine ganz besondere Form der Rede. Sie musste im großen Saal laut vorlesen, ohne dabei die Aufmerksamkeit des Publikums zu verlieren!

1. Rede von Elisabeth Smith

Doch Elisabeth meisterte die Herausforderung. Sie las Janoschs „Oh wie schön ist Panama“ vor, ein zusätzlich herausforderdernder Text, weil die Stimmen der Protagonisten in unterschiedlichen Tonhöhen und Stimmfarben vorgetragen werden mussten.

Die zweite Rede hielt Mark Backs. Seine Aufgabe war es, das Feedback zu seiner letzten Rede „Amerika“ in einer weiteren umzusetzen. Er tat es, ging aber in „Amerika Vers. 2“ noch darüber hinaus: In einem Rollenspiel mit sich selbst erläuterte er die Transaktionsanalyse!

2. Rede von Mark Backs

Dann folgte die dritte Rede von Maike Ehrensberger mit dem Thema „Effektiv verkaufen“. Sie bestand aus drei Teilen, der Erläuterung der Bausteine des effektiven Verkaufens am Flipchart, einem fiktiven Verkaufsgespräch mit Statist Stefan Waller und einer anschließenden Podiumsdiskussion.

3. Rede von Maike Ehrensberger

Danach trat die Stehgreifredenleiterin Antonia Montesinos auf dem Plan und erläuterte die Stehgreifreden, die nach der Pause gehalten werden. sollten.

Stehgreifredenleiterin Antonia Montesinos

In der Pause wurde viel gesprochen, getrunken und gegessen, denn von der Vorstandssitzung, die zuvor im Saal stattfand, waren noch Speisen übrig.

meet and greet in der Pause

Gut gestärkt ging es dann an die Stehgreifreden. Eine Rede spontan zu einem unbekannten Thema zu halten gehört zur ganz großen rhetorischen Kunst. Antonias Thema war Dankbarkeit, die Redner*innen mussten also ein bis zwei Minuten darüber sprechen, wofür sie dankbar waren.

Als erstes wurde Meisterrednerin Silke Gerstenberger aufgerufen. Sie bekam von Antonia den Spezialauftrag, die Dankbarkeit für ein Körperteil auszudrücken. Kaum vorstellbar, dass jemand jemals schöner über das Steißbein gesprochen hätte!

1. Stehgreifrede von Silke Gerstenberger

Die zweite Stehgreifrede hielt Kathy. Sie musste erklären, welcher Person sie dankbar ist. Sie wählte Meisterrednerin Elisabeth.

2. Stehgreifrede von Kathy

Der dritte Stehgreifredner war Elias. Er sollte mitteilen, warum er für Deutschland dankbar ist. Die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung war es.

3. Stehgreifrede von Elias

Stehgreifrede Nr. 4 musste Gast Stefan halten. Stefan sollte darüber sprechen, für welche Hilfeleistung er dankbar ist. Stefan nutzte dje Gelegenheit, um sich allgemein für Engagement zu bedanken.

4. Stehgreifrede von Stefan

Schließlich sollte Tom uns in der fünften Stehgreifrede erläutern, für welches Urlaubsgreul er dankbar ist. Tom bedankte sich dafür, dass ihm das vordergründige Greul im Urlaub Freiheit vermittelte, er musste nämlich einmal in einer Autowerkstatt schlafen und fühlte sich frei.

5. Stehgreifrede von Tom

Der dritte Teil des Abends waren die Bewertungsreden, moderiert von Ilona Schäfer. Sebastian Foltan bewertete Elisabeths Rede, Patricia Steinmann Marks und Robert Kellner Maikes.

Ilona Schäfer moderiert die Bewertungsreden
Sebastian bewertet Elisabeths Rede
Patricia bewertet Marks Rede
Robert bewertet Sandras Rede

Schließlich kam es noch zur Bestenwahl. Die besten Reden des Abends hielten auf einem geteilten ersten Platz Elisabeth und Maike, die beste Stehgreifrede Silke Gerstenberger und zum besten Meisterredner wurde Antonia gekührt.

Danach räumten wir mit vereinten Kräften auf und feierten den Abend beim Griechen um die Ecke!

Stehgreifrede halten – was geht da ab?

Hier auf der Website ist immer wieder von diesen Stehgreifreden die Rede. Aber was ist das, was geht da ab?

Die Stehgreifrede soll die Schlagfertigkeit und Spontanität des Redners trainieren. Gäste können sie bei uns im Klub halten, Mitglieder müssen sie halten, wenn sie vom Stehgreifredenleiter dazu aufgefodert werden.

Es ist eine ein- bis zweiminütige Rede zu einem unbekannten Thema – eben aus dem Stehgreif. Man bekommt ein Thema zugeworfen, z.B. „Was war das schönste Erlebnis in Deinem Sommerurlaub?“ (meistens dann doch etwas kreativer:-)) und dann kann der Redner loslegen.

Sie/er wird dann vom Stehgreifredenleiter auf die Bühne gerufen, es gibt Applaus für den ritterlichen Mut, dann gibt es das Thema.

Man genießt seine zwei Minuten Ruhm, bekommt wieder Applaus und setzt sich wieder. So einfach ist es.

Und mit so einer Stehgreifrede gehen mehrere Benefits einher: (1) Du kannst Deine Angst vorm öffentlichen Sprechen abbauen – wenn man einmal dort auf der Bühne stand, ist es wirklich leichter! (2) Gratis Adrenalin vor und während der Rede und Endorphine danach! (3) Es kann sogar sein, dass Du den Stehgreifredenaward des Abends gewinnst, weil die Mitglieder und Gäste Deine Rede zur besten wählen!

Wenn das keine guten Gründe sind, es einmal zu versuchen! Du kannst es jeden ersten, dritten und fünften Donnerstag bei uns im Klub in der Leibnitzstr. 79, 10625 Berlin um 19:30 Uhr tun! Wir freuen uns über jeden Gast und noch mehr über mutige Stehgreifredner!